Krone der Schöpfung oder egoistische Gene?

waswirsind99,5% der menschlichen Gene sind identisch mit dem der Affen. Was also unterscheidet uns vom Affen? Was trennt uns von anderen Menschen?

Menschen kommen mit einem unreifen, offenen und lernfähigen Gehirn zur Welt und sind auf Fürsorge und Schutz sozial kompetenter Erwachsener angewiesen. Von Natur aus sind wir Lebewesen mit einem gestaltbaren Gehirn, das seine Struktur erst im sozialen Kontakt mit Anderen entwickelt. Die kulturelle Umgebung beeinflusst das Gehirn dabei entscheidend. Ausgestattet mit einem Höchstmass an Neuronen und Verbindungen passt das kindliche Gehirn seine Struktur im Laufe der Jahre der Umgebung an: „ausgejätet wird, was nicht gebraucht wird.“
Die unterschiedliche Entwicklung von Menschen anderer Länder und Kulturen ebenso wie die unter anderen familiären oder sozialen Verhältnisse ist bedingt durch andere neuronale Verbindungen entsprechend der anderen Lebensverhältnisse.

Zwei wesentliche Grundbedürfnisse müssen dabei erfüllt werden: als nur in der Gruppe überlebensfähige Lebewesen streben wir einerseits nach Verbundenheit mit Anderen und  andererseits nach eigenem Wachstum und innerer Freiheit. Wir streben nach dem, was wir mögen, und vermeiden, was wir nicht mögen.
Es sind also keineswegs egoistische Gene, die zu seltsamen Verhalten führen. Wenn eines der Grundbedürfnisse nicht befriedigt wird, werden bestimmte Botenstoffe nicht ausgeschüttet, es entsteht ein Mangel, der durch andere Verhaltensweisen kompensiert werden muss.

Das Gehirn selbst ist ein soziales Organ und passt seine Struktur dem sozialen Umfeld an.  Wir lernen nur das, was für uns bedeutsam ist, also wichtig ist für unsere Akzeptanz in unserer Gruppe. Wenn z.B. über Generationen in einer Gruppe oder Gesellschaft Regeln der Abgrenzung gegenüber Anderen und Fremden gelten, passt unser Gehirn seine Vorstellungen diesen an.
Es sind also nicht die Menschen, die nicht zusammenpassen, sondern deren durch Vorleben erworbene Vorstellungen und Überzeugungen, die durch dazu passende Erfahrungen bestätigt und neuronal gefestigt werden. Diese verstärken sich durch Anpassung der Wahrnehmung immer weiter und werden schliesslich zu erprobten neuronalen „Autobahnen“, während andere Verbindungen stillgelegt werden.

Probleme sind Störungen des emotionalen Gleichgewichts. Die Störung wird auf Basis der bisherigen Erfahrungen wahrgenommen und bewertet und sodann mit aus anderen Situationen bekannten Strategien bearbeitet. Schnelle erfolgreiche Lösungen führen daher zu einer weiteren Stabilisierung bestehender Verbindungen. Neues entsteht nur durch neue, oft überraschende  Erfahrungen, durch Begeisterung für etwas Neues oder durch Krisen, die alles Bisherige in Frage stellen.

Wer wir sein könnten: Gerald Hüther bleibt nicht in der Beschreibung der Funktionsweise unseres Gehirns stehen, er erklärt wie wir dank der erfahrungsabhängigen Plastizität unseres Gehirns auch völlig anders denken und leben könnten, denn unser Gehirn ist lebenslang in der Lage neue neuronale Verbindungen, neue Gedanken und Emotionen, zu entwickeln.

Gerald Hüther ist einer der bekanntesten Gehirnforscher und Bestsellerautor und dabei auch einer der engagiertesten: im Bereich der frühkindlichen Entwicklung stellt er Forderungen an Politik und Schulen, damit unsere Kinder anders lernen, um das zu werden, was sie und wir sein könnten.
Ein Lieblingsbuch von mir, das ich besonders in der Hörbuchversion immer wieder anhöre, denn ein Gehirn, das verändert werden will, braucht die Wiederholung: nur dann kann aus einem neuen Pfad eine stabile Strasse werden.