Entwicklung liegt in der Natur des Menschen

HütherWir sind nicht abhängig von unserer genetischen Programmierung- das war für mich die erste wichtige Erkenntnis dieses Buchs. Unser Gehirn ist, abhängig von unseren Erfahrungen, jederzeit in der Lage, bestehende Verknüpfungen stillzulegen und neue zu knüpfen. Wir können auch also jederzeit unsere Vorstellungen in Frage stellen und unser Leben neu gestalten. Lernen und Veränderung sind aber nur in der Interaktion mit Anderen möglich. Wir benötigen also vor allem förderliche zwischenmenschliche Beziehungen.Die Fähigkeit unseres Gehirns sich zu verändern, basiert darauf, daß neue Verbindungen zwischen Synapsen entstehen. Dies wird Neuroplastizität genannt. Entscheidend für diese Verdrahtung sind die zwischenmenschlichen Erfahrungen. Als Säugling erleben wir noch die uneingeschränkte Zuwendung wichtiger Bezugspersonen: alles, was wir tun, ist gut. Dann beginnt die Erziehung und es entstehen Regeln, die fremde und damit die eigene Begeisterung für unser Tun schwindet. Diese Erfahrung „ich bin nicht wichtig, nicht gut genug“ prägt dann das Denken und schränkt die Möglichkeiten der neuronalen Vernetzung ein. Um sich die positiven Emotionen zu sichern, wird das Verhalten angepaßt, um das Bedürfnis nach Verbundenheit und Schutz zu erfüllen.
Weil unser Gehirn darauf ausgerichtet ist, mit möglichst wenig Energieaufwand einen Zustand von Ruhe und Kohärenz zu erreichen, muß das zweite Grundbedürfnis nach Wachstum zurücktreten. Wir übernehmen aus dieser Schutzfunktion heraus die Erfahrungen und Vorstellungen von Generationen, u.a. auch solche, die bestimmt sind von Abgrenzung und Mißtrauen gegenüber Fremdem.

Der Neurobiologe und Wissenschaftler Gerald Hüther engagiert sich intensiv für die Potenzialentfaltung des Einzelnen und die verbundene Wirkung auf eine lebendige Gesellschaft. Sein Appell: Gemeinsam mit Anderen verfügen wir über mehr Hirn und Entwicklungsmöglichkeiten für eine hoffnungsvolle Zukunft.